Handfeste Zukunftschancen: Abiturienten gehen ins Handwerk

Nach dem Abitur gr√ľbeln viele junge Menschen √ľber die schwierige Frage: Was mache ich jetzt?

Die Mehrzahl denkt dabei nicht an eine Karriere im Handwerk. Immer mehr Abiturienten entscheiden sich aber ganz bewusst gegen ein Studium und f√ľr die handwerkliche Ausbildung. Die 24-j√§hrige Katharina Wenzel zum Beispiel hat sich mit Abitur in der Tasche f√ľr eine Ausbildung zur Zahntechnikerin entschieden ‚Äď und hat nun beste Aussichten auf dem Arbeitsmarkt.

Noch nie lag der Anteil der Abiturienten bei den neuen Auszubildenden im Handwerk so hoch wie im Jahr 2010. Knapp 10.000 junge Männer und Frauen wählten den Weg vom Gymnasium in eine von 151 handwerklichen Ausbildungen. Zwar ist die Abiturientenquote im Handwerk insgesamt weiterhin gering, einige Gewerke sind unter Abiturienten jedoch äußerst beliebt und verzeichnen großen Zulauf. Erstmals starteten im Zukunftsberuf Hörgeräteakustiker mehr als 50 Prozent der Auszubildenden mit Abitur. Mehr als ein Drittel Abiturientenquote unter den Auszubildenden weisen unter anderem auch die Augenoptiker, Bootsbauer und Maßschneider auf.

Eine wahre Alternative zur Hochschule

Immer mehr Abiturienten entscheiden sich aus gutem Grund f√ľr diese berufliche Laufbahn. Denn neben der Aussicht auf eine spannende Arbeit herrscht in manchen Handwerksberufen Vollbesch√§ftigung. ‚ÄěDie Berufsausbildung ist inzwischen eine echte Alternative zur Hochschule‚Äú, kommentiert der Generalsekret√§r des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, die steigenden Zahlen. Das Handwerk biete ausgezeichnete Karrierechancen.

Steile Karriere f√ľr Abi-Azubis

Die Berufsaussichten f√ľr die ehemaligen Gymnasiasten im Handwerk werden sich aller Voraussicht nach sogar weiter verbessern: In diesem Wirtschaftszweig nimmt der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkr√§ften und Spezialisten kontinuierlich zu, weil Handwerker heutzutage eine Vielzahl innovativer Techniken, neuartiger Materialien und modernste Computertechnik nutzen.

Zahntechniker-Azubi Wenzel: ‚ÄěDas Studium war mir zu trocken.‚Äú

Auch beim Beruf Zahntechniker sind die Zukunftsaussichten sehr gut ‚Äď die Ausbildung wird dementsprechend unter Abiturienten immer beliebter. Ungef√§hr jeder dritte Azubi hat dort sein Abitur in der Tasche. Eine von ihnen ist Katharina Wenzel. Die 24-J√§hrige macht ihre Lehre bei der alteingesessenen Firma Nitschke Zahntechnik GmbH in Berlin-Buckow. Zuvor hatte die junge Frau aus dem brandenburgischen Storkow zwei Jahre lang Chemie studiert. ‚ÄěDas war mir aber zu trocken, zu theoretisch‚Äú, sagt sie. Au√üerdem seien ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Zahntechnikerin besser.

Anatomie und ein H√§ndchen f√ľrs K√ľnstlerische

An ihrem Beruf gef√§llt Katharina Wenzel vor allem, dass man nicht nur theoretisches Wissen und handwerkliches Geschick, sondern auch ein H√§ndchen f√ľrs K√ľnstlerische ben√∂tigt. Am meisten kann sie dieses Talent beim Verblenden von Keramikkronen einsetzen ‚Äď sie pr√§pariert den Zahnersatz so, dass der Tr√§ger sp√§ter ein makelloses L√§cheln pr√§sentieren kann.

Seit knapp zwei Jahren kann die Brandenburgerin in der Edelmetall- und Keramikabteilung ihres Ausbildungsbetriebs dieser handwerklichen Leidenschaft nachgehen. Mit einer Sonde Wachs auflegen, mit einem Wachsmesser modellieren oder mit dem Keramikpinsel arbeiten ‚Äď der Alltag von Katharina Wenzel ist sehr abwechslungsreich. Pr√§zision ist dabei oberstes Gebot, schlie√ülich kommt es auf den Zehntel Millimeter an, damit der Patient sp√§ter wieder kr√§ftig zubei√üen kann.

Das theoretische Wissen, das Katharina Wenzel f√ľr diese komplexe Arbeit ben√∂tigt, erwirbt sie in der Berufsschule. Werkstoffkunde, Mathematik und Anatomie stehen bei der k√ľnftigen Zahntechnikerin auf dem Lehrplan. F√ľr dieses duale Ausbildungssystem, das Theorie und Praxis kombiniert, ist Deutschland weltweites Vorbild. Denn die ganzheitlich qualifizierten Fachkr√§fte zeichnen sich durch hohe Kompetenz sowie Flexibilit√§t aus und sind sofort in der Praxis einsetzbar.

Handwerkliche und akademische Ausbildung lassen sich verbinden

√úber das duale System hinaus bietet das Handwerk gezielt f√ľr Schulabg√§nger mit Hochschulreife das duale Studium an ‚Äď ein Studium an einer Hochschule oder Berufsakademie mit integrierter Berufsausbildung beziehungsweise Praxisphasen in einem Unternehmen. Diese Angebot zeigt: Handwerkliche und akademische Ausbildung schlie√üen sich nicht aus.

Insgesamt stehen √ľber 450 duale Studieng√§nge f√ľr Auszubildende mit Abitur im Handwerk offen. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Maschinenbau/Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Informatik und Wirtschaftswissenschaften. Die Handwerkskammer K√∂ln hat sogar ein "Triales Studium" entwickelt, das neben der Ausbildung die Meisterpr√ľfung und einen Bachelor einschlie√üt.

Mit Zusatzqualifikationen schneller ans Ziel

Fast jede zweite Handwerkskammer in Deutschland bietet au√üerdem Zusatzqualifikationen an, die sich haupts√§chlich an Abiturienten richten. Besonders h√§ufig sind die Kurse Technischer Betriebswirt, Technischer Fachwirt und Betriebsassistent. Diese Zertifikate k√∂nnen parallel zur handwerklichen Ausbildung und oft ohne Zeitverlust erworben werden. Dar√ľber hinaus wird vereinzelt auch die M√∂glichkeit angeboten, Teile der Meisterpr√ľfung bereits parallel zur Ausbildung zu absolvieren.

Handwerker mit Fortbildung erfolgreicher als Akademiker

Das Institut der deutschen Wirtschaft K√∂ln (IW) best√§tigt, dass es sich f√ľr Handwerker besonders lohnt, sich nach der Gesellenpr√ľfung weiterzubilden. Aus einer aktuellen Studie geht hervor, dass die Arbeitslosenquote von Meistern und Technikern mit 2,9 Prozent bei M√§nnern und 3,7 Prozent bei Frauen unter der Quote bei Akademikern (M√§nner 3,0 Prozent, Frauen 4,0 Prozent) liegt.

Katharina Wenzel wird erst einmal im Januar ihre Gesellenpr√ľfung ablegen. ‚ÄěDanach finde ich sicher einen Job‚Äú, erkl√§rt sie zuversichtlich. Und in einigen Jahren m√∂chte sie wahrscheinlich die Meisterpr√ľfung absolvieren ‚Äď lohnen wird sich das auf jeden Fall.

Quelle: Kampagnenb√ľro Handwerk Deutscher Handwerkskammertag

www.handwerk.de

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